Warum Kompetenzlisten an Future Skills vorbeigehen

Themenkreis Weiterbildung und Lernen

Rezension: »Future Skills: Zukunft gestalten, statt Wandel verwalten«

Wenn ein Begriff so oft zitiert wird wie »Future Skills«, lohnt sich ein zweiter Blick auf das, was eigentlich damit gemeint ist. Genau diesen Blick wirft Dr. Helen Buchs, Verantwortliche des Think-Tanks TRANSIT, in ihrem Beitrag für die Beilage »Fokus Future Skills« der Smart Media Agency.

Ihre These fällt dabei ungewöhnlich klar aus: Future Skills seien keine Liste abzuhakender Kompetenzen, sondern eine Einladung, Zukunft aktiv mitzugestalten statt sie nur zu verwalten.

Eine überfällige Verschiebung des Blicks

Der Text überzeugt vor allem dort, wo er die gängige Anpassungslogik durchbricht. Statt zu fragen, welche Fähigkeiten der Arbeitsmarkt morgen verlangt, dreht Buchs die Perspektive um: Welche Zukunft wollen wir mit unseren Fähigkeiten überhaupt ermöglichen?

Diese Umkehrung ist mehr als rhetorisches Spiel. Sie macht sichtbar, dass viele der heute unter Future Skills gehandelten Fähigkeiten – etwa Schlüsselkompetenzen oder Transformationskompetenzen – längst bekannt sind. Neu ist laut Buchs vor allem ihre Bündelung unter einer expliziten Zukunftsperspektive.

Besonders gelungen ist der Vergleich zwischen dem Kompetenzrahmen des World Economic Forum (WEF) und jenem des Europarats. Während Ersterer den Arbeitsmarkt in den Mittelpunkt stellt, rückt Letzterer Menschenrechte, Demokratie und gesellschaftliche Teilhabe in den Vordergrund. Dieser Kontrast entlarvt eine blinde Stelle vieler Debatten: Wer Future Skills nur als Wirtschaftsthema behandelt, blendet die gesellschaftspolitische Dimension aus.

Wo der Text an Substanz gewinnen könnte

Etwas knapper gerät die praktische Einordnung. Der Verweis auf die Studie »Future Skills in der Weiterbildung« des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung liefert einen wichtigen Beleg dafür, dass entsprechende Kompetenzen in der Praxis bereits implizit vermittelt werden – bleibt aber an dieser Stelle skizzenhaft.

Wie genau Weiterbildungsanbieter diese Arbeit sichtbarer machen könnten, deutet Buchs nur an. Wer konkrete Handlungsansätze sucht, findet vor allem eine Denkrichtung, keine Blaupause. Das schmälert die Relevanz des Beitrags kaum, zeigt aber, dass die eigentliche Übersetzungsarbeit – von der Haltung zur Praxis – noch aussteht.

Fazit

Innerhalb der Beilage »Fokus Future Skills« liefert der Beitrag von Buchs einen der konzeptionell schärfsten Zugänge zum Thema. Er verweigert sich bewusst der Versuchung, Zukunft in Kompetenzkataloge zu zerlegen, und erinnert daran, dass Bildung immer auch eine gesellschaftliche Gestaltungsfrage ist. Für Weiterbildungsakteure, die den Begriff nicht nur verwenden, sondern verstehen wollen, ist der Artikel eine lohnende Pflichtlektüre.

Bibliographie:
Beilage »Fokus Future Skills« der Smart Media Agency AG, besprochener Beitrag: Dr. Helen Buchs, »Future Skills: Zukunft gestalten, statt Wandel verwalten«


In aller Kürze
Dr. Helen Buchs deutet Future Skills als Gestaltungsraum statt Kompetenzliste – konzeptionell stark, in der praktischen Übersetzung jedoch noch ausbaufähig.


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