Themenkreis HR und Personalführung (Symbolbild)

Wenn Lob fehlt, wird Arbeit zur Last

Ein aufmunterndes Wort vom Chef, eine helfende Hand in stressigen Momenten – für viele Beschäftigte bleibt das Wunschdenken. Nur 40 Prozent der abhängig Beschäftigten in Deutschland erhalten häufig Lob und Anerkennung durch ihre Führungskraft, wie die BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2024 ergibt. Immerhin 62 Prozent berichten von häufiger Unterstützung im Arbeitsalltag.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat die Daten nun in einem Faktenblatt zu unterstützender und gesundheitsförderlicher Führung ausgewertet – mit einem eindeutigen Befund: Wer von oben Rückhalt bekommt, kommt gesünder durch den Arbeitstag.

Anerkennung als Schutzfaktor

Der Unterschied lässt sich in Zahlen fassen. 61 Prozent der Beschäftigten, die häufig Unterstützung erfahren, fühlen sich durch Termin- und Leistungsdruck belastet. In der Gruppe ohne diesen Rückhalt steigt der Anteil auf 77 Prozent. Eine wertschätzende Führungskraft wirkt demnach wie ein Puffer gegen die Anforderungen des Jobs, auch wenn sie an den Anforderungen selbst nichts ändert. Termindruck, Leistungsdichte oder ständige Unterbrechungen bleiben bestehen – doch wer sich getragen fühlt, erlebt sie offenbar als weniger zermürbend.

Auch bei den gesundheitlichen Folgen zeigt sich ein klares Muster: Beschäftigte, die regelmäßig Anerkennung erfahren, klagen seltener über Erschöpfung, Müdigkeit, Reizbarkeit oder Schlafstörungen. Psychosomatische Beschwerden, die sich über Wochen und Monate aufbauen, hängen also offenbar nicht allein von der Arbeitsmenge ab, sondern maßgeblich davon, wie diese Arbeit im zwischenmenschlichen Kontext erlebt wird.

Ausbaufähiges Potenzial auf beiden Seiten

Der Haken an der Sache: Führung, die stützt und lobt, ist noch längst nicht der Normalfall. Ein erheblicher Teil der Belegschaften geht durch den Arbeitsalltag, ohne regelmäßig Rückmeldung oder Hilfe von der eigenen Führungskraft zu bekommen.

Hier liegt Potenzial – für Unternehmen ebenso wie für einzelne Führungskräfte. Schulungen und Sensibilisierung könnten helfen, wertschätzendes Verhalten stärker im Führungsalltag zu verankern, statt es dem Zufall individueller Persönlichkeiten zu überlassen.

Doch die Verantwortung liegt nicht allein bei den Vorgesetzten. Auch Beschäftigte selbst können zur Verbesserung beitragen, wenn sie Unterstützung aktiv einfordern, statt auf freiwillige Gesten zu warten. Ein wertschätzendes Miteinander entsteht selten von selbst – es braucht Übung auf beiden Seiten des Schreibtischs.


In aller Kürze
Nur 40 Prozent der Beschäftigten erhalten häufig Lob vom Chef. Wer Unterstützung erfährt, ist seltener von Druck und Erschöpfung betroffen – Führungskultur wirkt als Gesundheitsfaktor.


  VERWEISE