Weiterbildung 2026: Deutsche Firmen erkennen den Ernst der Lage – handeln aber zu zögerlich

Zwischen Anspruch und Alltag: Weiterbildung in deutschen Betrieben
Der Reformdruck auf deutsche Betriebe wächst, doch beim Ausbau der Kompetenzen ihrer Belegschaften treten viele Unternehmen auf die Bremse.
Zu diesem Schluss kommt die TÜV-Weiterbildungsstudie 2026, für die das Institut forsa im Auftrag des TÜV-Verbands zwischen Ende Januar und Mitte März 500 Firmen ab 20 Beschäftigten telefonisch interviewt hat.
Bekenntnis ohne Verbindlichkeit
Fortbildung genießt hohes Ansehen: 87 von 100 Unternehmen ordnen sie als bedeutsam ein. Allerdings ist dieser Wert binnen zwei Jahren um sechs Punkte gesunken. Auffälliger noch fällt die Kluft zwischen Überzeugung und Organisation aus – lediglich 29 Prozent der Firmen haben ihre Weiterbildungsziele schriftlich niedergelegt. Der Rest verlässt sich auf informelle Absprachen.
Immerhin: Drei von vier Betrieben stellen ihr Angebot der gesamten Belegschaft zur Verfügung, meist bestimmen die Fachabteilungen selbst, welche Themen zählen.
An zeitlichen und finanziellen Ressourcen mangelt es dabei spürbar – üblich sind drei bis fünf freie Tage im Jahr, während zwei Drittel der Firmen jährlich nicht mehr als 1.000 Euro pro Beschäftigtem einplanen. Manche Werte liegen damit sogar unter dem Niveau von 2024.
Die KI-Lücke wird größer, nicht kleiner
Am stärksten zeigt sich das Missverhältnis zwischen Anspruch und Umsetzung beim Einsatz Künstlicher Intelligenz. Bereits 56 Prozent der Firmen arbeiten im Alltag mit generativen KI-Anwendungen, und jedes zweite Unternehmen erkennt darin einen dringenden Schulungsbedarf.
Praktisch vorbereitet auf diese Technologie hat bislang jedoch nur gut jedes vierte Unternehmen seine Mitarbeitenden – trotz einer Verdopplung gegenüber der letzten Erhebung.
Im Zentrum der Trainings steht meist der praktische Umgang mit gängigen Werkzeugen, tiefere Fachkenntnisse spielen eine untergeordnete Rolle. Bei der Personalsuche zählt KI-Wissen bislang kaum: Nur bei höchstens jeder zwanzigsten offenen Stelle wird es vorausgesetzt.
Wer soll zahlen, wer soll handeln?
Über die Zuständigkeit besteht weitgehend Einigkeit: Fast alle Befragten (98 Prozent) sehen die Arbeitgeber selbst in der Pflicht, ebenso deutlich (86 Prozent) die Beschäftigten.
Der Staat wird seltener als früher als Verantwortlicher genannt – nur 47 Prozent verglichen mit 54 Prozent 2024. Und wenn öffentliche Förderung ins Spiel kommt, überwiegt Kritik: Zwei Drittel der Unternehmen sind mit den Fördermöglichkeiten unzufrieden, drei Viertel fühlen sich darüber unzureichend aufgeklärt.
Was der Verband fordert
Aus den Ergebnissen leitet der TÜV-Verband konkrete Schritte ab. Firmen sollten Weiterbildung fest in ihre Geschäftsplanung integrieren, Lernformate flexibler mischen und gezielt in digitale sowie KI-bezogene Fähigkeiten investieren.
An die Politik richten sich Appelle zur Vereinfachung steuerlicher Regelungen für Bildungsanbieter, zu mehr Rechtssicherheit beim Einsatz freier Trainerinnen und Trainer, zu einer Überarbeitung des veralteten Fernunterrichtsschutzgesetzes und zu leichter zugänglichen Förderprogrammen, insbesondere für kleinere Betriebe.
In aller Kürze
Weiterbildung gilt vielen Firmen weiter als wichtig, verbindliche Strategien bleiben aber selten. Vor allem bei KI wächst die Kluft zwischen Nutzung und tatsächlicher Qualifizierung der Belegschaft.
VERWEISE
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