Mehr Freiheit, mehr Druck: Digitalisierung im Arbeitsalltag

Themenkreis KI, Digitalisierung, Digitale Transformation

Digitale Arbeit zwischen Autonomie und Arbeitsverdichtung

Kaum ein Arbeitsplatz kommt heute noch ohne Bildschirm aus. PC, Smartphone oder Tablet gehören für die meisten Beschäftigten in Deutschland längst zum festen Handwerkszeug – mit spürbaren Folgen für den Arbeitsalltag.

Eine aktuelle Auswertung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) auf Basis der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2024 offenbart dabei ein zwiespältiges Bild: Wer digitale Endgeräte häufig nutzt, gewinnt mehr Spielraum bei der Gestaltung der eigenen Arbeit – muss dafür aber auch mit einer höheren Arbeitsintensität leben.

Digitalisierung als stiller Dauertrend

Der Wandel vollzog sich schleichend, aber stetig. Arbeiteten im Jahr 2006 erst 76 Prozent der Befragten mit dem PC, sind es 2024 bereits 87 Prozent. Die Geräte selbst haben sich dabei ebenfalls verändert: Smartphone und Tablet sind als mobile Begleiter hinzugekommen und prägen inzwischen viele Berufsfelder mit.

Auffällig sind die Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Frauen greifen häufiger zum PC, Männer nutzen öfter das Smartphone. Ob dahinter tatsächlich ein geschlechtsspezifisches Nutzungsverhalten steckt oder schlicht die Berufswahl den Ausschlag gibt, lässt sich aus den Daten nicht eindeutig ableiten – beide Erklärungen erscheinen plausibel.

Mehr Freiraum für die eigene Arbeitsplanung

Digitale Endgeräte verändern spürbar, wie viel Kontrolle Beschäftigte über ihren Arbeitsalltag behalten. Wer regelmäßig mit PC, Smartphone oder Tablet arbeitet, kann die eigene Tätigkeit deutlich häufiger selbst planen und einteilen als Beschäftigte, die kaum digitale Geräte nutzen.

Auch der Einfluss auf die zu bewältigende Arbeitsmenge fällt bei intensiver Gerätenutzung größer aus. Digitale Werkzeuge wirken hier also wie ein Schlüssel zu mehr Selbstbestimmung im Job.

Die Kehrseite: höherer Takt, mehr Unterbrechungen

Der gewonnene Handlungsspielraum hat allerdings seinen Preis. Beschäftigte, die häufig digital arbeiten, berichten spürbar öfter von Termin- und Leistungsdruck. Auch Arbeitsunterbrechungen gehören für sie deutlich häufiger zum Alltag: Fast die Hälfte dieser Gruppe ist davon betroffen – bei Beschäftigten ohne intensive Gerätenutzung liegt der Anteil bei unter einem Drittel.

Damit zeichnet sich ein Muster ab, das viele aus dem eigenen Arbeitsalltag kennen dürften: Digitale Technik eröffnet neue Freiheiten, erzeugt aber gleichzeitig neue Formen der Verdichtung. Wer flexibler entscheiden kann, wann und wie er arbeitet, wird zugleich häufiger unterbrochen und steht öfter unter Zeitdruck.

Handlungsspielraum und Arbeitsintensität wachsen bei der Digitalisierung der Arbeit offenbar gemeinsam – ein Zusammenhang, der für die Gestaltung gesunder Arbeitsbedingungen künftig eine zentrale Rolle spielen dürfte.


In aller Kürze
Digitale Endgeräte am Arbeitsplatz bringen mehr Selbstbestimmung, aber auch mehr Termindruck und Unterbrechungen – zeigt eine BAuA-Auswertung der Erwerbstätigenbefragung 2024.


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