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Erwartungen entscheiden mit: Warum Weiterbildung eine Kopfsache ist

Themenkreis Weiterbildung und Lernen (Symbolbild)

Was Beschäftigte von Weiterbildung erhoffen – und was sie davon abhält

Ob jemand an einer betrieblicher Weiterbildung teilnimmt, entscheidet sich selten am Angebot allein. Dahinter steht eine stille Kalkulation: Was springt dabei heraus?

Eine Onlinebefragung unter 3.701 abhängig Beschäftigten zwischen 25 und 55 Jahren, die ein Forschungsteam um Hanna Brosch und Philipp Lergetporer im ifo Schnelldienst vorstellt, rückt diese Erwartungen ins Zentrum – als unterschätzten Grund für die ungleiche Beteiligung.

Gehaltsplus mit großer Streuung

Die Befragten sollten ihre berufliche Lage in sechs Jahren einschätzen – einmal mit regelmäßiger Weiterbildung, einmal ohne.

Im Mittel erwarten sie mit Weiterbildung ein monatliches Bruttoeinkommen von 5.481 Euro, ohne 5.140 Euro. Ein Aufschlag von knapp 9 Prozent, was empirischen Schätzungen tatsächlicher Erträge nahekommt. Der Mittelwert täuscht allerdings: Nur etwa die Hälfte rechnet überhaupt mit einem Einkommensgewinn.

Aufstieg wiegt schwerer als Gehalt

Mehr Gewicht haben die nicht-monetären Erträge. Mit Weiterbildung halten die Befragten anspruchsvollere Aufgaben (51,1 statt 37,4 Prozent) und eine Beförderung (36,8 statt 26,5 Prozent) für wahrscheinlicher, eine Entlassung dagegen für unwahrscheinlicher. Spürbar mehr Stress erwarten sie nicht.

Und gerade diese Erwartungen – beruflicher Erfolg, Aufgabeninhalte, Arbeitszufriedenheit – sagen die tatsächliche wie die geplante Teilnahme besser voraus als die Aussicht auf mehr Geld. Weiterbildung gilt offenbar weniger als Lohnhebel denn als Aufstiegsleiter und Versicherung zugleich.

Wo das Gefälle entsteht

67 Prozent der höher Qualifizierten hatten im Jahr vor der Befragung an betrieblicher Weiterbildung teilgenommen, unter den geringer Qualifizierten 45 Prozent.

Beim erwarteten Gehaltsplus unterscheiden sich beide Gruppen kaum – wohl aber bei den nicht-monetären Aussichten: Geringer Qualifizierte rechnen seltener mit beruflichem Erfolg, mit Aufstieg und mit mehr Freude an der Arbeit. Rund 10 bis 12 Prozent des Unterschieds in den Weiterbildungsabsichten gehen darauf zurück.

Information als günstiger Hebel

In einem randomisierten Experiment erhielt ein Teil der Befragten Angaben zu den Erträgen betrieblicher Weiterbildung und zur Lernfähigkeit im Erwachsenenalter. Die Bereitschaft, ein konkretes Angebot anzunehmen, stieg daraufhin – bei geringer Qualifizierten deutlich stärker. Der Effekt bleibt moderat, kostet aber wenig.

Für die Weiterbildungspolitik heißt das: Finanzielle Anreize und ein dichtes Angebot greifen zu kurz, solange die Erwartungen derer, die man erreichen möchte, im Keller bleiben.


In aller Kürze
Befragung: Beschäftigte erwarten von betrieblicher Weiterbildung knapp 9 Prozent mehr Gehalt – wichtiger sind ihnen Aufstieg und Arbeitsqualität. Geringer Qualifizierte erwarten weniger und bilden sich seltener weiter.


  VERWEISE